Die Idee
Gemeinsames Radfahren mit gegenseitiger Rücksichtnahme, ökologisches Reisen, Lernen außerhalb der Schule über die bewegte Geschichte von Elsass und Lothringen, Überwinden von Hindernissen, Stärkung der deutsch-französischen Freundschaft, Grenzerfahrungen im mehrfachen Sinne – all dies waren Gedanken, die dazu beigetragen haben, eine mehrtägige Etappenradfahrt zu Walldorfs Partnerstadt Saint-Max ins Leben zu rufen. Die Schulleitung, das Kollegium und die Elternschaft waren schnell überzeugt, so dass man in die konkreten Vorbereitungen einsteigen konnte, d.h. Strecke planen und abfahren, Verwaltungsvorschriften durchkämpfen, Unterstützer suchen, Schülerinnen und Schüler auf das Fahren in der Gruppe vorbereiten, Training mit unseren Schulsanis und Räder und Material prüfen. Am 20. Juli ging es dann mit 16 Schülerinnen und Schülern aus den siebten, achten und neunten Klassen, vier Lehrerinnen und Lehrern und einem Begleitfahrzeug samt Fahrer los auf unsere 320 Kilometer lange Tour.
1. Tag, Walldorf – Lauterbourg
Nachdem die Zelte im Begleitfahrzeug Platz gefunden hatten, das restliche Gepäck von jedem selbst auf dem Fahrrad sicher verstaut war und uns Bürgermeister Renschler und Schulleiter Brunsch verabschiedet hatten, ging es auf die ersten Kilometer. Das Fahren in Einer- und Zweierreihe wurde geübt, das Anzeigen von Gefahrenstellen und Überqueren von Straßen. In der Zweierreihe konnte man sehr gut mit den anderen quatschen, sodass hier schnell klar wurde, dass alle Beteiligten voller Vorfreude und Aufregung an diesem ersten Tag waren.
In Graben-Neudorf konnten wir erstmals die Vorzüge unseres Begleitfahrzeugs auskosten, denn unser Fahrer Ingolf Roos versorgte uns mit frischen Brezeln und Nusszopf. Die eigentliche große Mittagspause folgte dann im Karlsruher Schlosspark. Mit der Fähre in Neuburgweier setzten wir über den Rhein und kamen im schönen Frankreich an. Da die Restaurants in Lauterbourg am Montagabend geschlossen hatten, konnten wir leider nicht Französisch essen. Stattdessen bestellten wir im benachbarten Berg (Pfalz) Döner. Die Schülerinnen und Schüler fanden es super.
2. Tag, Walldorf – Gambsheim
Frühstück deluxe – 40 croissants und pains au chocolat weckten die Lebensgeister der verfrorenen Gruppe. Der Sonnenschein half auch, so dass wir uns bestens gelaunt auf den Weg machen konnten.

In den Rheinauen auf französischer Seite konnten wir wunderbar frei von Verkehr fahren. Ein erster Stopp folgte bei der Kasematte von Esch. Dieser französische Bunker war Teil der Ligne Maginot, die Frankreich nach dem Ersten Weltkrieg vor dem erneuten Angriff deutscher Truppen schützen sollte. Nach einer eindrücklichen Führung ging unsere Tour weiter. Eine gerissene Kette rief unser Begleitfahrzeug auf den Plan und nach einem kurzen Zwischenstopp in einem Radladen ging es weiter nach Gambsheim auf den Camping Municipal.
3. Tag, Gambsheim – Hofmühl
An diesem Tag erreichten wir den eigentlich Hauptradweg unserer Strecke, den Kanalradweg von Straßburg nach Nancy. Dieser Radweg verläuft größtenteils fernab vom Autoverkehr an einem Kanal, der die Flüsse Rhein und Marne verbindet. Auch heute gab es wieder Verpflegung unterwegs aus dem Begleitfahrzeug: Schinken- und Käsesandwiches, dazu Gemüse und Obst und Orangina – ein Traum.

In Saverne hatten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit auf eigene Faust die Stadt zu erkunden und den Vorrat an Riegeln und Snacks zu füllen. Gut gestärkt ging es dann auf die abschließenden Kilometer bis Hofmühl, gelegen an einem Schiffshebewerk.
4. Tag, Hofmühl – Parroy
Auch an diesem Tag war wieder bestes Radelwetter bei Sonne und 30 Grad. Es ging über die einzige wirkliche Steigung unserer Tour, einmal über die Vogesen. Während der Kanal durch einen Tunnel unter dem Pass durchgeführt wird, mussten wir Radler darüber. Doch auf den Pass folgte die Abfahrt mit herrlicher Aussicht und so ließen wir es laufen in der Lothringischen Ebene. An diesem relativ kurzen Fahrtag kamen wir schon früh an unserem Camping in Parroy an. Einige von uns nutzten die Möglichkeit und hängten noch ein paar Extrakilometer im Rennradtempo mit Windschattenfahren nach Einville dran, um dort für alle ein paar Snacks zu kaufen.
Abends saßen wir dann gemütlich zusammen, spielten Scharade und hielten dann noch mit unserem Musikquiz die Gruppe und den Campingplatz auf Trab.
5. Tag, Parroy – Saint-Max
Inzwischen waren wir morgens schon recht routiniert: Aufstehen um 7 Uhr, Müsli-Frühstück um 7.30, dann Zeltabbau, Zusammenpacken und Abfahrt um 8.45 Uhr. Um 12 Uhr waren wir zum Empfang in unserer französischen Partnerstadt eingeladen. Auch heute hatten wir keine platten Reifen und keine Stürze, so dass wir fröhlich gegen 11 Uhr in Nancy einfuhren. In der Partnerstadt dann, die nur durch den Fluss Meurthe von Nancy getrennt ist, wurden wir feierlich vom französisch-deutschen Freundeskreis empfangen und mit leckeren Sandwiches, Getränken und köstlichem Nachtisch bewirtet. Auch der Bürgermeister von Saint-Max, Herr Pensalfini, kam auf einen Sprung vorbei. Darüber hinaus wurden wir noch mit T-Shirts und Hüten der Partnerstadt versorgt – ein toller Empfang nach einer tollen Fahrt!

Es folgte noch die Erkundung Nancys in einem petit train touristique, bevor es dann mit dem Bus und den Rädern im Anhänger Richtung Heimat ging.
Fazit
Eine eindrückliche Tour, die uns allen als besonderes Erlebnis in Erinnerung bleiben wird. Wir hatten großes Glück mit dem Wetter und eine tolle Gruppe von Schülerinnen und Schülern. So kamen wir gesund, sturzfrei und ohne einen einzigen platten Reifen wohlbehalten und reich an Eindrücken an unserer Schule wieder an.
Unser herzlicher Dank gilt der Stadt Walldorf für die großzügige Finanzierung des Bustransports sowie dem Verein der Freunde und Förderer für die finanzielle Unterstützung!
von Andreas Probst
