Vortrag für die Klassenstufe 10 und Kursstufe 1 über die Lage im Iran

Die Straße von Hormus kennt seit dem Kriegsausbruch Ende Februar 2026 nahezu jeder. Aber wie geht es den Menschen im Iran? Das konnten die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 10 und Kursstufe 1 am 20.07.2026 in einem Vortrag erfahren. Referentinnen waren Anahita Azizi, Bahare Beverungen und Sarah Zastrau von der Initiative „Frauen, Leben, Freiheit Rhein-Neckar“. Azizi und Beverungen waren bereits im Sommer 2025 auf Einladung der SMV zu Gast am Gymnasium Walldorf gewesen und hatten damals an einem Nachmittag einen interessanten sowie bewegenden Vortrag über die damalige Lage im Iran gehalten. Da sich die dortige Lage in den letzten Monaten dramatisch verändert hatte, hatte die SMV beschlossen, die Referentinnen erneut einzuladen. Obwohl der Kalender der Referentinnen aufgrund des gestiegenen Interesses seit Beginn des Kriegs zwischen den USA und dem Iran übervoll ist, gelang es, einen Termin für einen Vortrag zu finden, dem über 250 Schülerinnen und Schüler beiwohnten. Der Vortrag fand in der Astoria-Halle statt, die von der Stadt Walldorf hierfür freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde. Das Honorar der Referentinnen wurde dankenswerterweise durch den Elternbeirat des Gymnasiums Walldorf getragen.

Verbindungslehrer Alexander Hahn, die Referentinnen und Mitglieder des Politikausschusses der SMV

Für die Schulleitung begrüßte Stefan Reuter die Referentinnen und bezeichnete deren Vortrag als wichtigen Beitrag zur Meinungsbildung. Für die Schülerschaft sprach Schülersprecher Doga Bilir. Er hob dabei die Bedeutung der Werte Frieden und Freiheit hervor.

In ihrem Vortrag stellten die Referentinnen zunächst ihre Initiative vor, die 2022 im Zuge der nach der Verhaftung und dem Tode von Jina Mahsa Amini im September 2022 aufgekommenen und blutig niedergeschlagenen Proteste gegründet wurde. Sodann gaben sie allgemeine Informationen über den Iran, ein Land, in dem sich laut den Referentinnen lediglich 30 bis 40 Prozent der Einwohner als Muslime bezeichnen. Die Bevölkerung im Iran sei heute mehrheitlich und insbesondere in den Städten westlich orientiert. 75 Prozent der Bevölkerung des Vielvölkerstaats leben in Städten.

Im Folgenden gingen die Referentinnen auf die Revolution von 1979, den Sturz des autoritär regierenden, aber pro-westlich eingestellten Shahs, die Ausrufung der Islamischen Republik und die komplette Machtübernahme durch Ayatollah Khomeini, der zum Revolutionsführer wurde, sowie seine Getreuen ein.

Die Referentinnen informierten die Schülerinnen und Schüler darüber, dass schon wenige Wochen nach der Revolution etwa die Kopftuchpflicht eingeführt wurde, was zu ersten Protesten gegen das neue Regime führte.

Sodann erläuterten den Referentinnen, welche Protestwellen es im Iran gab, die jedoch stets vom iranischen Regime blutig niedergeschlagen wurden und bei denen es zig Tote gab: die Studentenproteste von 1999, die Proteste vieler Iraner gegen das Ergebnis der Präsidentschaftswahl von 2009, dessen Rechtmäßigkeit die meisten westlichen Staaten anzweifeln, die Novemberproteste von 2019 anlässlich der gravierenden Inflation im Iran, die Proteste von 2022 sowie die Proteste vom Dezember 2025 infolge der wiederum rasant gestiegenen Lebenshaltungskosten.

Weiter stellten die Referentinnen die Stützen des Regimes dar: die Revolutionsgarde, die Spezialarmee, die die iranische Wirtschaft dominiert und ein eigenes Medienimperium besitzt, die Basij-Milizen, die „Schlägertruppen“ des Regimes, den Geheimdienst und die Sittenpolizei, die im öffentlichen Raum patrouilliert. Folter, sexualisierte Gewalt, öffentliche Gewaltexzesse, und erzwungene Geständnisse sind gemäß den Referentinnen gängige Praxis im Iran. All dies diene dazu, ein Klima der Angst zu verbreiten. Die Stützen des Regimes sind laut den Referentinnen digital auf dem neuesten Stand und können so die Bevölkerung umfassend ausspionieren.

Im Iran gelten die Gesetze der Scharia, die beispielsweise eine Vollverschleierung für jedes Mädchen ab neun Jahren fordert sowie Kinderehen ermöglicht und deren Strafen bei Zuwiderhandlung von Auspeitschungen bis zur Todesstrafe reichen.

Ein weiteres Thema des Vortrags war, wie es um die Jugend im Iran steht. Sie ist aufgrund fehlender Perspektiven – hohe Jugendarbeitslosigkeit, steigende Lebenshaltungskosten, Verarmung der Mittelschicht, massive Einschränkungen der individuellen Freiheit – von großer Hoffnungslosigkeit geprägt.

Im zweiten Teil der Veranstaltung hatten die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit zu Fragen an die Referentinnen: Dabei ging es um die Unterschiede zwischen dem Leben im Iran in der Stadt und auf dem Land, wie die Bevölkerung den aktuellen Krieg erlebt, wie die Mehrheit der Menschen im Iran die sich wandelnden Kriegsziele beurteilen und welche Zukunft das iranische Regime aus Sicht der Referentinnen hat.

All dies waren Fragen auf sehr hohem Niveau und zeigten, dass die Zuhörerschaft den Vortrag mit größtem Interesse verfolgt hatte.

Das Fazit der Referentinnen war klar: Unsere Demokratie und das westliche Freiheitsmodell sind kein naturgegebener Zustand. Deshalb appellierten die Referentinnen an die Schülerinnen und Schüler, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen, sich politisch zu engagieren und Zivilcourage zu zeigen. Sehr begrüßten die Referentinnen auch den alljährlichen Einsatz der SMV des Gymnasiums Walldorf für den Briefmarathon von Amnesty International.

Vertreter des (parteipolitisch neutralen) Politikausschusses der SMV, der die Veranstaltung vorbereit hatte, dankten den Referentinnen für ihren wichtigen Vortrag und überreichten ihnen ein Präsent.

Zum Abschluss erinnerte Verbindungslehrer Alexander Hahn, der den Politikausschuss der SMV betreut, daran, dass vor genau 82 Jahren das letztlich gescheiterte Stauffenberg-Attentat auf Hitler stattfand. Die Attentäter wollten damals eine Tyrannei beenden. Wenngleich die heutige Situation im Iran eine andere sei als im damaligen NS-Deutschland, so sei dennoch klar, dass der Iran eine Tyrannei sei. Umso mehr liegt es laut Hahn an uns, unsere freiheitliche Demokratie zu verteidigen. Mit großem Applaus stimmten die anwesenden Schülerinnen und Schüler dieser Aussage zu.

von Alexander Hahn